Anwalt im O-Ton. Teil 2.

Anwalt und Kommunikation

Pressemitteilung und Co. PR für Rechtsanwälte - Was sind die Rahmenbedingungen und was gilt es zu beachten?

Von Thomas Rothenstein, Ass.jur, ProJurTexter-Rothenstein.

Im zweiten Teil meiner Blog-Reihe wollen wir einen Blick darauf werfen, wie Presse funktioniert und wie Anwälte erfolgreich mit dem Medium Print arbeiten können.

 

Unter dem Stichwort Public Relations denken viele an Medienrechtler und Strafverteidiger, die bei publikumsträchtigen Mandaten im Sinne der Mandantschaft mit der Presse kommunizieren.

 

Eine gute PR-Arbeit ist aber nicht auf bestimmte Segmente anwaltlicher Tätigkeit beschränkt und ist auch nicht ein exklusives Instrument für große und internationale Anwaltsbüros. Auch der Einzelkämpfer oder die Zweier-Gemeinschaft kann sich dieses Instrument zu nutze machen.

 

Aber wie funktioniert PR und was sind die Voraussetzungen einer erfolgreichen Pressearbeit?

 

Wer noch keine eigene Erfahrung in der Arbeit mit der Presse oder als Journalist hat, muss sich zunächst einmal mit der Arbeits- und Denkweise von Redaktionen vertraut machen. Denn um die Hürde der Redaktion hin zu einem gedruckten Artikel zu nehmen, muss die Perspektive klar sein, aus der ein Redakteur arbeitet. Setzen wir also die vertraute Brille des Juristen einmal ab.

 

Jedem Redakteur sitzt grundsätzlich der sogenannte Redaktionsschluss im Nacken und er arbeitet dementsprechend oft unter einem enormen Zeitdruck. Täglich erreichen die Redaktionen der Lokal-, Tages- und Wochenzeitungen eine Vielzahl an Pressemitteilungen und Meldungen aus den Nachrichtenagenturen, Beiträge müssen recherchiert und redigiert werden.

Es findet ein Ausleseprozess statt zwischen hochaktuellen, interessanten und völlig uninteressanten Informationen.

Ist das wirklich eine Nachricht, die den Leser interessiert oder nur Aufguss dessen, was man schon in den letzten acht Tagen überall lesen konnte?

In diesem Rahmen landet eine – Ihre - Pressemitteilung auf dem Tisch und findet Eingang oder - wie oft der Fall – eben auch nicht in die Auswahl für die zu veröffentlichenden Artikel der nächsten Ausgabe.

 

Gehen Sie daher davon aus, dass Ihnen also im Zweifel eher wenig Zeit bleibt, um mit Ihrer Pressemitteilung bleibenden Eindruck hinterlassen zu können.

Zudem sollten Sie über Erscheinungsweise und Redaktionsschluss klar im Bild sein.

Dem Redakteur einer Tageszeitung sollten Sie Ihre Pressemitteilung um 9 Uhr schicken und nicht am späten Nachmittag, denn nur so kann die Meldung noch Eingang in die Redaktionskonferenz finden. Wochenzeitungen sind zwei Tage vor Erscheinen längst gedruckt und bei einem Monatsmedium sollten Beiträge mindestens 4-5 Wochen vorher angeboten werden.

 

Haben wir den Rahmen abgesteckt, in dem unsere Pressearbeit stattfindet, geht es jetzt darum, wie es gelingt, erfolgreich Pressemitteilungen zu platzieren.

 

Zuerst müssen wir uns fragen, ist das, was als Pressemitteilung angeboten werden soll, für das Medium und die Zielgruppe, die wir darüber erreichen wollen, interessant?

 

Pressearbeit macht dann Sinn, wenn es einen Grund dafür gibt und das heißt, schreiben aufgrund von Anlässen. Für Anwälte ist dies meist neue, aktuelle Rechtsprechung, eine Gesetzesänderung oder der konkrete Fall.

Dann braucht es einen Aufhänger. Alles, was interessant ist und einen Nachrichtenwert hat. Und hier eröffnet sich eine ganze Reihe an Möglichkeiten, wie zum Beispiel:

 

Die Auswirkung einer aktuellen oder geplanten Gesetzesänderung kann einen Fortschritt bedingen oder zu folgenschwere Konsequenzen führen. (Ab dem 1. November gilt das Bundesmeldegesetz – für Vermieter kann das unliebsame Konsequenzen haben, wenn sie nicht aufpassen.)

 

Die Bankenkrise hielt einiges an Dramatik für Anleger und Sparer bereit und Finanzprodukte sorgten für Konfliktpotential zwischen den Banken und ihren Kunden.

 

Gerichtsurteile können Kurioses oder Prominenz in den Fokus rücken und/oder gar Emotionales beinhalten.

 

Es kann auch die lokale Niederlassung eines großen Unternehmens sein, die geschlossen werden soll, mit weitreichenden Folgen für die Region oder sogar mit überregionaler Signalwirkung.

 

Aktualität und Anlass, das heißt für jeden guten Pressearbeiter, immer bestens informiert zu sein.

Anwälte sollten daher nicht nur die NJW genau studieren, sondern auch die Tagespresse. Und nicht zu vergessen, der konkrete Fall, der über das Mandat hinaus bedeutsam sein kann und damit interessant wird für eine Nachricht in der Tagespresse. Überall findet sich ein Aufhänger für eine interessante Geschichte, aus der Ihre nächste Pressemitteilung oder Gastbeitrag wird. Man muss nur den Blick dafür haben, und das ist eine reine Übungssache.

 

Im dritten und letzten Teil schauen wir uns an, wie eine Pressemitteilung in Form und Inhalt aufgebaut werden muss, damit daraus eine Nachricht wird. Also, bleiben Sie dran!


Den ersten Teil finden Sie nochmal hier.

Viele Grüße, Ihr ProJurTexter-Rothenstein. Der Texter für Anwälte.

P.S. Tipps fürs bessere Texten mit einem Text-Fahrplan gibt es hier.



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